Dankbar für die Studienreise nach Rom und für die Anfrage, darüber zu berichten, blicke ich zurück und biete Streiflichter auf die Tage. Diese sind stark persönlich eingefärbt und werden nicht die vielen Nuancen widerspiegeln, die sich anderen eröffneten. Sie wollen nur anregen, Gesehenes im Blick der Rückschau wahrzunehmen.
Die Studienleitung von „Theologie im Fernkurs“ hatte für Februar 2026 wieder zu einer theologischen Studienwoche für Teilnehmer im Grund- und Aufbaukurs nach Rom eingeladen. Bereits aus dem erstellten Programm konnte man die Dichte der Tage erahnen, was aber 32 Interessierte nicht schreckte, die dafür überreich mit Wissen, Eindrücken und Visuellem belohnt wurden.
Nach individueller Anreise am Valentinstag kam die Gruppe am Abend zu einem ersten Kennenlernen zusammen. Romkundige, Erstbesucher in der Ewigen Stadt und Pilgererfahrene fanden zusammen in den Gesellschaftsräumen der Casa Valdese, unserer Unterkunft.
Bereits beim Abendessen spürbar, entwickelte sich mühelos eine rücksichtsvolle und zugewandte Sozialdynamik in der Reisegruppe, die aus vielen Regionen Deutschlands und sogar Italiens zusammengesetzt war. Bei der Vorstellungsrunde kamen Herr Dr. Greb und Herr Grimm ihrer Rolle als reiseleitende Initiatoren und Koordinatoren von Anfang an mit viel Sach- und Fachkunde, Langmut und Humor nach.
Gleich am ersten Studientag würde sich dieses ‚Erleben des anderen Pilgers neben mir‘ spiegeln. Wie Dr. Max, der Rektor der Anima zum gemeinsamen Tisch in einer Pilgerstätte reflektierte, bedeutet das Kennenlernen des anderen oft soviel mehr, als das Abfragen von biographischen Punkten. Bisweilen meinen wir gar, im Dialog mit uns neuen Menschen Antworten schon zu kennen, bevor wir unser Gegenüber vorbehaltlos wahrgenommen haben. Wir stellen fest, dass wir einem anderen offen begegnen können und uns dabei selber neu erkennen können.
So legte der erste Tag unserer Reise, Sonntag der 15. Februar 2026, Tonalität und Intensität der Woche wunderbar vor.
Für den Besuch der Kirche „Santa Maria dell’Anima“ war der Rektor, Dr. Michael Max, gebeten worden, vor dem Gottesdienst die Gruppe in die Kirche, ihre Geschichte und Bedeutung für die deutschsprachigen Pilger einzuführen. Der Geistliche aus dem Erzbistum Salzburg führte kurzweilig und profund in die baugeschichtliche und bild-theologische Entwicklung dieses römischen Pilgerziels ein. Besonders bewegend war seine Erläuterung des zentralen Altarbildes. Ausgelöst von der Frage eines Teilnehmers aus unserer Gruppe, wie die „Seelen“ im Kirchennamen zu verstehen seien, verwies Dr. Max auf das Altarbild. Finanziert von Jakob Fugger, erschuf der „begabteste Schüler Raffaels“, Julio Romano, eine Darstellung der Heiligen Familie nebst Stifter und weiterer heilsgeschichtlicher Akteure. In dieser Komposition scheute der Maler sich nicht, den damals „reichsten Mann der Welt“, Jakob Fugger, auf seine menschliche Seelenwanderschaft hinzuweisen. Augustinus gedenkend, „unruhig ist meine Seele bis sie Ruhe findet in Dir“, weist im Bild Johannes den Jakob Fugger auf das jenseitige Ziel seiner diesseitigen weltlichen Seelenwanderung hin - Jesus Christus.
Diese theologische Dichte zog sich auch durch den feierlichen Gottesdienst. In seiner Predigt griff Dr. Max beide Lesungen und das Evangelium aus der Bergpredigt nach Matthäus auf. Darin adressierte er unter anderem das Verhältnis von Geist und Gesetz und formulierte: „Das Gesetz beginnt nicht in der Tat, sondern im Gedanken“. Nun waren wir nicht nur örtlich, physisch und kunstgeschichtlich in Rom angekommen, sondern auch geistig und theologisch.
Nach diesem intensiven Einstieg in die Studienwoche entließen wir uns - wie an allen Folgetagen - zum individuell gestalteten Mittagessen, um uns später an der Mitte der Katholischen Kirche, am Petersplatz, als Gruppe wiederzufinden.
Wenn Berufung und Beruf sich stimmig überlappen, ist das ein Glücksfall für den Betroffenen wie auch für das soziale Umfeld, das situativ von dieser Doppelrolle profitieren kann. Das galt auch für unsere ab nun intensive Interaktion mit Msgr. Prof. Dr. Stefan Heid.
Der Priester des Erzbistums Köln - mit einer scheinbaren Schwäche u.a. für Trier - schöpfte aus für uns Laien unermesslichen Wissenstiefen, serviert mit einer erfrischenden Prise Süffisanz zur Ewigen Stadt, den Marotten des Über-Tourismus und dem Wechsel der Zeit - selbst Luther pilgerte als Augustiner zum Campo Santo. Kurzum: es war fulminant, was wir an Kirchen-, Liturgie- und Kunstgeschichte von ihm erfahren und aufnehmen konnten. Und das in einer sprachlichen Leichtigkeit, welche die reiche Kost verdaubar machte.
Wir erhielten eine Vor-Ort-Einführung in Grabstelle, Kirche und Fraternität des Campo Santo Teutonico sowie den Petersdom von Prof. Heid. Er schärfte unseren Blick auf sichtbare und unsichtbare Schichten der Archäologie, Kunst und Liturgie. So stellte Prof. Heid auch dar, dass „Geschichte nicht immer linear verläuft“, wie modernere Ausgrabungen unter dem Petersdom in den 1940er Jahren zeigen. Sie wurden im Kriegszustand und aufgrund des Interesses deutscher Archäologen, der späteren Besatzungsmacht, vorangetrieben.