
Hab Mut, steh auf!
21. Juli 2026


Es wurde gestapelt, diskutiert, gefragt und gelacht: Für das Team von Theologie im Fernkurs brachte der Katholikentag 2026 intensive Tage mit sich – mit einem Stand auf der Kirchenmeile, der interaktiven Ausstellung „Was uns angeht. Große Worte des Christentums“, sowie „Stunden der Begegnung“ im Burkardushaus und vielen Gesprächen, die noch lange nachwirken.
„Hab Mut, steh auf!“ lautete das Motto der Großveranstaltung. Eine Aufforderung, die nach gesellschaftlichem und kirchlichem Engagement klingt, aber schon im Kleinen beginnen kann. „Man muss auch erst einmal den Mut haben, auf Leute zuzugehen“, sagt Silvia Breunig. „Steh auf, sprich jemanden an – und dann kommt man plötzlich mit Wildfremden ins Gespräch.“ Nicht alle im Team waren von dem Motto sofort begeistert. Manche hörten zunächst einen etwas mahnenden Unterton: Müssen Christ:innen erst wachgerüttelt werden? Im Laufe der Tage zeigten sich jedoch weitere Lesarten. „Man muss sich als Christ oder Christin nicht verstecken“, meint Dr. Matthias Steindl. „Man kann positiv in die Gesellschaft wirken, ohne sich verunsichern zu lassen.“
Beides gehörte zu diesem Katholikentag: Haltung zeigen – und miteinander ins Gespräch kommen.

Trubel auf der Kirchenmeile.
Wie bei früheren Katholikentagen war Theologie im Fernkurs auch 2026 mit einem Stand auf der Kirchenmeile vertreten. Diesmal mussten allerdings keine Kisten quer durch Deutschland gefahren und keine Wege in einer fremden Stadt erkundet werden. Der Katholikentag fand direkt vor unserer Bürotür statt.
„Es war der Katholikentag der kurzen Wege“, fasst Heike Feser zusammen. Für diejenigen, die sonst nur zum Auf- und Abbau anreisen, war das eine neue Erfahrung: „Diesmal konnte man nicht nur kurz vorher sehen, wie alle aufbauen, sondern man hat wirklich erlebt, was daraus wird.“ Schon die Fahrt zur Arbeit fühlte sich anders an. In den Straßenbahnen saßen Menschen mit dem typischen Katholikentagsschal und aufgeschlagenen Programmheften. Fast alle schienen dasselbe Ziel zu haben. Die vertrauten Straßen und Plätze waren plötzlich voller Gäste, Musik, Diskussionen und Gottesdienste. Die Wege waren bekannt, die Atmosphäre war neu. „Mega cool“, nennt Dr. Verena Sauer das Heimspiel. „Man wusste, wie man schnell irgendwo hinkommt und wo man etwas zu essen bekommt. Vor allem konnten wir viel mehr Teammitglieder einspannen, als das bei einem Katholikentag in einer anderen Stadt möglich wäre.“ So waren diesmal auch Mitarbeiter:innen beteiligt, die sonst eher im Hintergrund vorbereiten, packen und organisieren. Für Annette Werner war es ein Perspektivwechsel: „Früher bin ich selbst in Jugendgruppen zu Katholikentagen gefahren. Diesmal war ich auf der anderen Seite – bei denen, die etwas anbieten.“
Ganz entspannt war das Heimspiel trotzdem nicht. Statt eines einzelnen Standdienstes waren viele mehrere Tage lang zwischen Kirchenmeile, St.-Ursula-Schule und Burkardushaus unterwegs. Für das übrige Programm blieb oft wenig Zeit. Und die Menschenmengen, die sich durch die Innenstadt schoben, waren auch für Würzburg ungewöhnlich.
Dennoch überwog die Freude darüber, die eigene Stadt einmal so zu erleben. „Überraschend“ ist das Wort, mit dem Christine Pietsch die Tage zusammenfasst: „Ich hätte nicht gedacht, dass so ein tolles Klima des Miteinanders entsteht.“
Am gemeinsamen Stand von Theologie im Fernkurs und der Görres-Gesellschaft blieb kaum Zeit für Leerlauf. Dr. Daniel Greb, selbst Mitglied der Görres-Gesellschaft, ist überzeugt: „Beide Einrichtungen konnten von der Kooperation profitieren. Besonders das Preisausschreiben, zu dem beide Einrichtungen Preise beisteuerten, war ein großer Erfolg. So hatten wir auch die Möglichkeit, wechselseitig auf die jeweils andere Einrichtung zu verweisen.“
Teilweise kamen die ersten Interessierten schon, bevor alles vollständig aufgebaut war. „Wir konnten kaum in Ruhe einrichten, weil bereits die Leute stehen blieben“, erinnert sich Annette Werner.
Die Lage am Anfang der Kirchenmeile war günstig. Viele Besucher:innen kamen direkt am Stand vorbei, nahmen Karten und Informationsmaterial mit oder nutzten die Liegestühle für eine kurze Pause. Einige kannten Theologie im Fernkurs bereits. Sie hatten selbst einen Kurs belegt oder erzählten von Verwandten und Bekannten, die bei uns studiert hatten. Andere hörten zum ersten Mal von dem Angebot. „Entweder hieß es: Den Fernkurs kenne ich, den hat meine Tante oder ein Bekannter gemacht“, berichtet Dr. Stefan Meyer-Ahlen. „Oder die Leute stellten überrascht fest: Ach, das gibt es? Das könnte etwas für mich sein.“
Meist begannen die Gespräche mit praktischen Fragen: Wie lange dauert ein Kurs? Was kostet er? Welche Voraussetzungen muss man erfüllen? Wie lässt sich das Lernen mit Beruf, Familie oder ehrenamtlichem Engagement verbinden? Dahinter standen sehr unterschiedliche Beweggründe. Manche wollten sich auf eine neue Aufgabe in ihrer Gemeinde vorbereiten, andere biblische Texte besser verstehen oder sprachfähiger über ihren Glauben werden. Auch kurze Gespräche zeigten, wie bekannt der Fernkurs bereits ist – und wie viele Menschen ihn noch für sich entdecken können. Besonders schön waren die unerwarteten Begegnungen mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die wir bislang vor allem aus E-Mails, Telefongesprächen und Webinaren kannten. Sie erkannten die Teammitglieder häufig sofort. Umgekehrt war manchmal ein wenig Detektivarbeit nötig. Dr. Matthias Steindl erinnert sich an einen Besucher, der kurz zuvor an einem seiner Willkommen!-Webinare teilgenommen hatte: „Dass er plötzlich persönlich vor mir stand, damit hatte ich nicht gerechnet.“ Auch Tamara Liebermann, die mit Teilnehmer in der Regel telefonisch oder per E-Mail Kontakt hat, freute sich über die Begegnungen: „Es war schön, zu einigen Namen und Stimmen nun auch Gesichter zu sehen.“
So wurde das Fernstudium für einen Moment ganz nah.

Ausstellung „Was uns angeht. Große Worte des Christentums“.
Etwas ganz Besonderes war die Präsentation der interaktiven Ausstellung „Was uns angeht. Große Wörter des Christentums“ in der St.-Ursula-Schule. Erstmals verantwortete Theologie im Fernkurs neben dem Stand einen eigenen thematischen Programmpunkt des Katholikentages.
Im Mittelpunkt standen große Begriffe des Christentums und die Frage: Welche davon sind für mich relevant? Die Begriffsstelen konnten nach persönlichen Vorlieben gedreht, verschoben, gestapelt oder im Raum verteilt werden. Es gab keine richtige Ordnung und keine Musterlösung.
Welcher Begriff steht für mich im Mittelpunkt? Welche Wörter gehören zusammen? Was trägt einen anderen Begriff? Was möchte ich näher an mich heranholen – und was vielleicht von mir wegschieben?
Anfangs standen die Stelen noch ordentlich im Raum. Im Team blieb eine gewisse Skepsis: Würden sich die Besucherinnen und Besucher wirklich trauen, die sorgfältig gestaltete Ordnung aufzulösen? Die Antwort kam schnell. Schon die ersten Gruppen begannen zu bauen. Es entstanden Türme, Tore und immer neue Konstruktionen. Eine Anordnung erinnerte an Stonehenge, mit bogenartigen Durchgängen und dem Begriff „Ursprung“ im Vordergrund. Andere bauten aus den Stelen ein großes Sofa. „Da konnte man es sich auf der Gnade bequem machen“, erzählt Dr. Stefan Meyer-Ahlen.
Gerade die spielerische Offenheit machte Wörter zugänglich, die sonst groß, schwer oder einschüchternd wirken können. „Man darf so ein Wort wie Demut auch einmal durch den Raum werfen“, so Meyer-Ahlen weiter. „Man kann schwere Begriffe von sich wegschieben, sich ihnen langsam annähern oder ein schwieriges Wort einfach einmal in den Arm nehmen.“
Hier wurde das Motto des Katholikentages sehr konkret: Hab Mut, fasse die Stelen an, löse die vorgegebene Ordnung auf und entwickle eine eigene. Die großen Wörter wurden dadurch nicht kleiner – aber weniger unnahbar.
Die Ausstellung war zugleich Spielplatz, Denkraum und Ruhepol. „Kinder und Jugendliche hatten am wenigstens Berührungsängste mit den Stelen und begannen sofort zu bauen,“ erinnert sich Martin Grimm. „Aber auch die Erwachsenen hatten unübersehbar Freude am Umwerfen, Stapeln und Konstruieren.“
Manchmal fanden sich Menschen spontan zusammen, veränderten gemeinsam eine Anordnung und kamen dabei ins Gespräch. Während auf der Kirchenmeile ständig Menschen vorbeiströmten, herrschte in der Ausstellung zeitweise eine konzentrierte Ruhe. Manche Besucherinnen und Besucher bauten, andere lasen oder blieben bei einem Wort oder Zitat hängen.
Mitten im vollen Katholikentagsprogramm entstand ein Ort zum Durchatmen.
Dabei ging es nicht nur spielerisch zu. „Zwei Personen saßen nach dem Erkunden der Ausstellung eine ganze Weile auf den bereitgestellten Hockern und machten sich in aller Ruhe Notizen zu ihren Eindrücken. Man konnte wahrnehmen, dass da einige Worte nochmal ganz intensiv durchdacht wurden“, berichtet Dr. Daniel Greb.

Große Worte werden beweglich.
Einige Begriffe lösten intensive Gespräche aus. Besonders das Wort „Geheimnis“ wurde hinterfragt. „Für manche war ein Geheimnis zunächst etwas Negatives“, berichtet Dr. Matthias Steindl. „Etwas, das man nicht weiß und das Unsicherheit auslöst. Die Frage war: Wenn Gott sich offenbart hat, warum bleibt er trotzdem Geheimnis?“ Solche Fragen forderten auch die begleitenden Theologinnen und Theologen heraus. Vertraute Fachbegriffe mussten neu erklärt werden – ohne vorschnell eine fertige Antwort zu liefern. Die Ausstellung brachte damit nicht nur Stelen in Bewegung, sondern auch Perspektiven und theologische Denkweisen.
Und welches Wort ist persönlich besonders wichtig? Dr. Stefan Meyer-Ahlen braucht nicht lange zu überlegen: „Freiheit. Ohne Freiheit wird vieles ganz schön schwierig.“
Auch im Burkardushaus wurde die Ferne für einige Stunden aufgehoben. Zu den „Stunden der Begegnung“ waren aktive und ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Absolventinnen und Absolventen sowie Menschen eingeladen, die Theologie im Fernkurs seit Langem verbunden sind.
Viele Kontakte im Fernkurs entstehen schriftlich, telefonisch oder digital. Umso besonderer war es, sich persönlich zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und alte Verbindungen aufzufrischen. „Die Menschen haben sich wirklich gefreut“, erinnert sich Dr. Stefan Meyer-Ahlen. „Es war eine große Verbundenheit zu spüren.“
Dabei ging der Blick nicht nur in die Gegenwart, sondern auch zurück in die Geschichte des Fernkurses. Zu den Gästen gehörte auch der frühere Studienleiter Harald Weis. Er berichtete davon, wie Studienveranstaltungen vor Jahrzehnten organisiert wurden und wie er damals mit dem Dienstwagen vorausfuhr, um die Materialien an die Veranstaltungsorte zu bringen. „Er hat erzählt, dass es das Konzept aus Studienwochenenden und Studienwochen im Kern schon seit rund 55 Jahren gibt“, berichtet Heike Feser. „Es war unglaublich spannend zu hören, wie das früher abgelaufen ist.“
Kommunikationswege, Technik und Lehrmaterialien haben sich seither stark verändert. Die Grundidee ist geblieben: Theologie im Fernkurs besteht nicht nur aus Lehrbriefen und Prüfungen. Persönliche Begegnungen und gemeinsames Lernen gehören seit den Anfängen dazu.
Ein Katholikentag besteht allerdings nicht nur aus guten Gesprächen und gelungenen Programmpunkten. Er besteht auch aus Materialkisten, Dienstplänen, Roll-ups und kurzfristig geänderten Absprachen. Im Vorfeld wurde ein Transportwagen mehrfach neu gepackt, weil sich immer wieder herausstellte, dass ein Roll-up oder eine Tasche doch am jeweils anderen Veranstaltungsort gebraucht wurde. Auch während des Katholikentages war Improvisation gefragt. Wer eigentlich abgelöst werden sollte, musste bisweilen länger bleiben, weil am anderen Ort gerade zu viel los war. Für zusätzliche Energie sorgte eine bewährte Begleiterin: die Nervennahrungskeksdose, die das Team schon seit Jahren auf Katholikentage mitnimmt. Die ungewöhnlichste Requisite am Stand war jedoch eine pinkfarbene Axt aus Modellierballons. „Ich wollte eine Axt – und dann bekam ich eine pinke Axt und einen Dackel“, erzählt Heike Feser. „Das war einfach total witzig und hat für Stimmung gesorgt.“ [Anm. der Redaktion: Wir konnten leider nicht mehr rekonstruieren, wie es zu dem Wunsch einer Axt kam, haben aber erneut herzlich lachen können.] Gerade an langen Tagen waren solche Momente wichtig.
Entscheidend war jedoch die Zusammenarbeit. Fast das gesamte Team konnte sich beteiligen – beim Aufbau, am Stand, in der Ausstellung, im Burkardushaus oder im Hintergrund. „Wir sind keine Abziehbilder voneinander“, sagt Dr. Matthias Steindl. „Jede und jeder hat eigene Stärken. Und die fügen sich im Team sehr gut zusammen.“
Stand, Ausstellung, Werbematerialien und Begegnungsangebote griffen ineinander. Für Dr. Verena Sauer war es deshalb „zum ersten Mal ein richtiges Gesamtpaket“.
Nach den intensiven Tagen kehrte Würzburg allmählich zu seinem gewohnten Rhythmus zurück. Die Stände wurden abgebaut, die Gäste reisten ab, die Stelen kamen zurück in ihre Kisten und auch die Keksdose wurde wieder verstaut.
Was bleibt, sind Bilder und Begegnungen: bunte Schals in der Straßenbahn, volle Straßen und konzentrierte Stille. Erinnerungen an ein kleines Stonehenge aus theologischen Begriffen, ein Sofa aus Gnade, so mach überraschendes Wiedersehen und eine pinkfarbene Ballonaxt.
Es bleiben auch die großen Wörter: Freiheit, Geheimnis, Gnade und Demut. Wörter, die nicht unbeweglich im Raum stehen müssen, sondern angefasst, befragt und neu geordnet werden dürfen.
Der Katholikentag hat gezeigt, dass theologisches Lernen Menschen in Bewegung bringen kann. Manchmal beginnt Mut mit einer öffentlichen Position oder einem großen Schritt. Manchmal beginnt er ganz unspektakulär: indem man aufsteht, auf einen fremden Menschen zugeht oder ein großes Wort des Christentums in die Hand nimmt.
Würzburg stand auf – und Theologie im Fernkurs war mittendrin.

Philippa Haase ist Studienleiterin bei Theologie im Fernkurs.