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Mein Weg mit dem Fernkurs
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Mein Weg mit Theologie im Fernkurs – Der eigenen Berufung auf der Spur
01. April 2026
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Im September 2025 nahmen mich die Jesuiten in das Noviziat ihrer zentraleuropäischen Provinz in Innsbruck auf. Zuvor, während der Zeit des Würzburger Fernkurses (von Oktober 2019 bis Mai 2025), begegneten mir Berufungstexte des Alten und Neuen Testaments, die Berufene – nicht nur mich – natürlich ansprechen. Der Würzburger Fernkurs brachte mich in die Lage, mich mit diesen Texten kritisch auseinanderzusetzen und diese Texte mit meinem Leben in Beziehung zu bringen. Der Fernkurs half mir mithin, mein Gerufen-sein besser zu verstehen. Wer nach dem Studium der Lehrbriefe mit den biblischen Berufungstexten gerungen hat1, wird bestätigen: Der Herr sucht auch heute Helferinnen und Helfer, die die Frohe Botschaft ausrufen und das Reich Gottes ankündigen.
Mich trieb eine gewisse Verwirrung in den Fernkurs hinein und begleitete mich in der ersten Zeit: Das Bisherige, der eingefahrene Alltag, das Gewohnte – nichts trug mehr so richtig; mit meinem Leben kompatible Veränderungen mussten also her. Die theologischen Themen hatten mich zuvor neugierig gemacht; diese Neugierde gab den Ausschlag zugunsten des Fernkurses. Die Lust am Lernen führte zu neuen Prioritäten und befreite schon so vom „täglichen Trott“. Die Wachheit und das Interesse an Neuem gehören zu Berufungswegen; sie finden sich quasi in allen Berufungstexten; so bei Mose, der erschwerende Umstände in Kauf nimmt, um dem Ruf Gottes in die gefährliche Wüste zu folgen (vgl. Ex 3,1ff.)
Foto: Gabriel Aich
Im Noviziat ist die theologische Vorbildung aus dem Fernkurs neben meiner Lebens- und Berufserfahrung sehr hilfreich. Trotzdem ergeht es mir im Noviziat wie Elischa: Der übergeworfene fremde Mantel sitzt einfach (noch) nicht richtig (1 Kön 19,19). Vielleicht nimmt mir der übergeworfene Mantel sogar hin und wieder die Sicht oder schränkt mein Blickfeld ein: der Anspruch an Novizen scheint ungeheuer groß und unübersichtlich. Das Noviziat ist tatsächlich nicht immer einfach; Zweifel kommen auf... Selbst Mose zweifelt am eigenen Vermögen, Gottes Auftrag erfüllen zu können (vgl. Ex 3,11). Jona lehnt seine Sendung durch seine aussichtslose Flucht vor Gottes „Zugriff“ gar ab (vgl. Jona 1). Analog zur Sendung Moses oder Jonas haben sich vernünftige Gründe gegen mein Noviziat noch nicht aufgetan...
Der Fernkurs führt für einige unmittelbar, sofern die pastorale Schiene gewählt worden ist, in die diözesane Ausbildung zum Ständigen Diakon. Die Verzahnung beginnt bereits im Grundkurs durch den diözesanen Begleitkurs. Für mich hat sich der Weg innerhalb der Diözese als nicht der richtige herausgestellt. Mir geht es aktuell um ein intensives geistliches (Gebets-) Leben, um den anderen Rahmen. Der Weg innerhalb der Diözese hätte Absicherungen oder Sicherheit schlechthin bedeutet: der Erhalt des bislang Erreichten und Erwirtschafteten neben dem Diakonat her. Diese Sicherheit würde mich aber in meiner Wachheit und dem Drang nach Neuem sehr einschränken. Ebenso lässt Mose alles hinter sich, um den noch unbekannten Rufenden kennen zu lernen (vgl. Ex 3,3).
(Schicksals-)Gemeinschaften motivieren: Mose erhält für seinen Auftrag seinen Bruder Aaron von Gott zur Seite gestellt (vgl. Ex 4,10-17), in der Ordensgemeinschaft sind wir zu Mitbrüdern, im Fernkurs zur spezifischen „Fernkurs-Geschwisterlichkeit“ berufen. Nicht nur die Jünger werden paarweise ausgesandt (vgl. Lk 10,1; Mk 6,7); auch die Lerngruppen und Begleitzirkel können zu einem tragenden Netz für die „Fernkursler“ werden. Zentrum einer jeden Berufung bleibt aber Gott: Die Berufung Pauli zeigt seine tiefe Verbundenheit mit dem Herrn, die Annahme des Gefunden-werdens und das Spüren der Wirkungsmacht des Paschamysteriums (vgl. Phil 3,8-12). Mit dem Herrn gehen kann aus meiner Sicht nur, wer ihn so kennengelernt, wer ihn so wahrgenommen hat. Die Erfahrung mit dem Herrn, die Erkenntnis über den Herrn sind mehr als eine rein intellektuelle Angelegenheit. Neben dem Würzburger Fernkurs und seiner wissenschaftsorientierten Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift und anderen Themen der Theologie kommt es für die Frage nach der eigenen Berufung also auf das Hinhören, die Kontaktpflege mit dem Herrn, also das Gebet an.
1 Wer sich über die Lehrbriefe hinaus kritisch mit den Berufungstexten des AT und NT beschäftigen will, dem sei empfohlen: Georg Fischer (SJ), Martin Hasitschka (SJ), Auf dein Wort hin, Innsbruck 1995. Die dort vorgenommene Exegese spricht mir aus dem Herzen.
Gabriel Aich ist Absolvent von Grundkurs Theologie und Aufbaukurs Theologie und inzwischen im Noviziat des Jesuitenordens in Innsbruck.