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Mein Weg mit dem Fernkurs
Mein Weg mit dem Fernkurs
Theologie, die durchs Leben trägt. Von einem Fernstudium, einer Reise nach Israel und Freundschaften fürs Leben.
13. Oktober 2026

Was bleibt von einem Fernstudium, wenn Prüfungen längst abgelegt sind und sich Lebenspläne verändert haben? Für Cornelia Schächtele ist die Antwort eindeutig: sehr viel. Seit sie 2008 bei Theologie im Fernkurs begann, begleiten sie theologische Fragen, geistliche Erfahrungen und vor allem Menschen, denen sie auf diesem Weg begegnet ist.
Eine Studienreise nach Israel und ins Westjordanland wurde damals zum Ausgangspunkt einer Gemeinschaft, die bis heute trägt. Aus einer bunt zusammengesetzten Reisegruppe entstanden Freundschaften und jährliche Treffen. Im Juni 2026 führte eines dieser Wiedersehen nach Berlin – auf die Spuren jüdischen Lebens und zugleich zurück zu Fragen, die Cornelia Schächtele seit ihrem Studienbeginn beschäftigen: nach dem Verhältnis von Judentum und Christentum, nach Ökumene, Erinnerung, Versöhnung und christlicher Hoffnung.
In ihrem persönlichen Rückblick erzählt sie davon, wie Theologie im Fernkurs ihren Glaubens- und Lebensweg geprägt hat – auch dort, wo dieser anders verlief als ursprünglich geplant.

Cornelia Schächtele, Bild: privat.
"Es ist eine Freude, dass ich gebeten wurde, für den Fernblick zu schreiben. Ich werde zweierlei berichten: über meinen persönlichen Weg mit Theologie im Fernkurs und über meine Studienfahrt mit Weggefährtinnen und Weggefährten aus dieser Zeit im Juni 2026.
Mein Name ist Cornelia Schächtele aus St. Nikolaus, einem Ortsteil im Westen von Freiburg im Breisgau. Seit 2026 gehört unsere ehemalige Seelsorgeeinheit Tuniberg zur Kirchengemeinde „Unsere Liebe Frau“.
2008 war ich Frischling bei Theologie im Fernkurs. Im eigenen Tempo berufsbegleitend studieren zu können, lockte mich sehr. Damit verband ich die Hoffnung, mich zusätzlich für den Religionsunterricht an Realschulen qualifizieren zu können. Auch auf meine Fragen zur Verschiedenheit und Einheit der Christenheit suchte ich Antworten. So begann ich ganz für mich, ohne begleitende Gruppe, die alten Lehrbriefe vom Grundkurs zu lesen, um besser verstehen zu lernen, was Jesu Frohe Botschaft mir vermitteln möchte. Doch schon wenige Monate später wurde aus dem Lernen am heimischen Schreibtisch eine Erfahrung, die meinen weiteren Weg mit Theologie im Fernkurs entscheidend prägen sollte.
Im Oktober 2008 durften meine Mutter, meine Tochter und ich mit einer Reisegruppe von ThiF nach Israel und ins Westjordanland reisen. In diesem wundervollen Land führten uns Joachim Deitert, damals Studienleiter von ThiF, und Johannes Kempin, der die Reise biblisch-exegetisch fundierte. Auch Ulrike Rückl war dabei, damals Büroleiterin von ThiF.
Wir waren eine bunt gemischte Gruppe aus vielen Diözesen, aller Altersgruppen, vieler Lebensformen, mit verschieden intensiv gelebter Frömmigkeit, im Studium unterschiedlich weit fortgeschritten – und auch Nicht-Studierende waren dabei. Gemeinsam waren wir unterwegs auf den Spuren Jesu im Heiligen Land, dem „fünften Evangelium“. Unvergessen bleiben für mich Erinnerungen an Orte, die mit Jesu Leben, Wirken und Sterben verbunden sind: der See Genezareth, Bethlehem, der Berg Tabor, Nazareth, der Garten Gethsemane und die Grabeskirche in Jerusalem. Besonders erinnere ich mich an die Lesung aus dem Markusevangelium in der antiken Synagoge von Kafarnaum, an jenem Ort, der mit Jesu Wirken verbunden ist: „Und die Menschen waren voll Staunen über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten“ (Mk 1,22). Liturgische Lesungen und meine lectio divina werden durch diese Erinnerungen auf besondere Weise lebendig.
Unsere Studienfahrt 2008 war nicht nur der spirituell eingebundenen Quellenforschung gewidmet. Wir waren auf den Spuren der abrahamitischen Religionen und der vielfältigen christlichen Traditionen im israelischen und palästinensischen Raum. Die Reise war reich an Begegnungen mit jüdischem Leben und dem Judentum. Die Erinnerung an den Holocaust und der Besuch von Yad Vashem haben uns zutiefst betroffen gemacht. Damals konnten wir nicht ahnen, dass aus dieser Reisegruppe eine Gemeinschaft entstehen würde, die uns über viele Jahre hinweg begleiten sollte.

Stadtbild Berlin - Neue Synagoge, Bild: wal_172619 via Pixabay.
Seither treffen wir uns jährlich, privat organisiert und in wechselnder Besetzung, in einer der Diözesen unserer Herkunft, meist in einem Kloster oder einem kirchlichen Haus. München und Düsseldorf brachten uns erneut mit jüdischem Leben in Berührung.
Freundschaften, Austausch sowie theologische, spirituelle und kulturelle Impulse sind uns ein Reichtum geworden. Was auf einer Studienfahrt begann, wurde zu gelebter Gemeinschaft: Communio mit Sitz im Leben, in guten und schlechten Zeiten: Dienst und Zeugnis in unseren Familien, in Gesellschaft und kirchlichem Engagement, Theologie und geistliches Miteinander, Gebet, Meditation und Feier der Liturgie. Nachfolge Jesu. Diese Verbindung von theologischer Auseinandersetzung, persönlicher Freundschaft und gemeinsam gelebtem Glauben führte uns im Juni 2026 nach Berlin. Damit schloss sich für mich in gewisser Weise ein Kreis: Wieder stand die Begegnung mit jüdischem Leben im Mittelpunkt – diesmal jedoch vor dem Hintergrund von fast zwei Jahrzehnten gemeinsamer Erfahrungen.
Dank Jochen trafen wir uns über Fronleichnam in Berlin. Der erste Tag galt dem Wiedersehen. Die Kultur stand mit einer Ein-Mann-Vorstellung von Bertolt Brecht im Berliner Ensemble im Mittelpunkt. Einquartiert waren wir ganz zentral an der Spree im Gästehaus des katholischen Militärbischofs von Deutschland. Zu unserer Freude wurden wir vor Ort von Dr. Thomas Franz in die Aufgaben und Strukturen dieser besonderen Form der Seelsorge eingeführt. Er war früher Kollege von Joachim Deitert als Leiter von ThiF. Direkt im Gästehaus war es morgens möglich, an internen Eucharistiefeiern teilzunehmen. Am Freitag besuchten wir in der Oranienburger Straße die Neue Synagoge. Sie wurde 1866 zu Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest, eingeweiht und bot damals Platz für 3.200 Betende. Ihre Geschichte erzählt von der Blüte jüdischen Lebens in Berlin, von Verfolgung und Zerstörung in der Zeit des Nationalsozialismus und schließlich von Erinnerung und Neubeginn. Heute befinden sich hier unter anderem ein Betraum, Einrichtungen der Jüdischen Gemeinde und der Erinnerungsort Centrum Judaicum.
Der Nachmittag war dem Teil der Spandauer Vorstadt gewidmet, der rund um die Synagoge jüdisch geprägt ist, mit jüdischem Kindergarten, Schulen, Krankenhaus und Geschäften. Es ist sehr erfreulich, dass jüdisches Leben hier in Berlin so lebendig und offensichtlich möglich ist. Umso bedrückender ist es zu erfahren, wie bedroht dieses Leben aktuell erneut ist. Überall gibt es Polizeipräsenz, was mich an Israel 2008 erinnert. Verschiedene Mahnmale rufen die Brutalität, die das jüdische Volk im Dritten Reich erleiden musste, ins Gedächtnis und verweisen auf die Schuld damaliger Politiker, Kirchenleute und Mitmenschen. Für mich verbindet sich damit eine Frage, die über die Vergangenheit hinausweist: Wie wach sind wir heute gegenüber Ausgrenzung, Hass und Gewalt? Haben wir aus der Geschichte gelernt? Sind wir heute fähig, anders zu reagieren? Bin ich selbst in der Lage mich anders zu verhalten?
Am Samstag machten wir vormittags einen Ausflug nach Wannsee. Ziel war die Villa des jüdischen Künstlers Max Liebermann. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Sommerhaus erbaut. Die Geschichte des Hauses ist zugleich mit Ausgrenzung und Verfolgung verbunden. Heute erinnert die liebevoll restaurierte Villa mit ihrem Garten und wechselnden Ausstellungen an Liebermanns Leben und Werk. Für uns war sie ein Ort, an dem Kunst, Lebensgeschichte und deutsche Geschichte auf besondere Weise zusammenkamen. Das moderne Jüdische Museum Berlin in der Lindenstraße mit dem Holocaust Tower war unser Ziel am Nachmittag. Der von Daniel Libeskind entworfene Neubau macht mit seiner Architektur Emotionen, Brüche und bedrückende Ohnmacht jüdischer Menschen angesichts von Verfolgung erfahrbar. Geschichte wird dort nicht nur erzählt. Sie wird räumlich spürbar. Aufrüttelnd, ergreifend und mahnend! Die Besichtigung war mit der JMB-App individuell gut möglich, die sehr hilfreich zur Vertiefung der Ausstellung und des Gebäudes ist. Für einen Besuch sollte man viel Zeit mitbringen.
Für unser leibliches Wohl war über die gesamte Zeit bestens gesorgt. Restaurants wurden im Vorfeld reserviert. Das Abendessen am Samstag im „Kreuzberger Himmel“ mit arabischen Spezialitäten rundete unsere Tour auf besondere Weise interkulturell und interreligiös ab. Das Restaurant ist ein Projekt des Vereins „Be an Angel“, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion zusammenarbeiten. Wir waren sehr beeindruckt und sehr zufrieden. Nach den intensiven Begegnungen mit Verfolgung, Ausgrenzung und Erinnerung war dieser Abend für mich zugleich ein Hoffnungszeichen: Zusammenleben kann gelingen, wo Menschen einander begegnen und miteinander Verantwortung übernehmen.
In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wurde der Sonntagsgottesdienst für uns zur ökumenischen Erfahrung. Sein Thema lautete „Trost und Trotz“. Das passte sehr gut zu unserer Spurensuche in Berlin und zur Bedeutung christlicher Hoffnung, Resilienz und Vergebung. Der christliche Glaube hilft mir, Realitäten wie Leid, Schuld und Bedrohung nicht auszublenden. Im Vertrauen auf Gottes liebende Nähe stärkt er Hoffnung und Zuversicht. Dazu passte Paul Gerhardts Lied „Warum sollt ich mich denn grämen“ aus dem Jahr 1653. Leider wird es inzwischen für viele von uns schwieriger bis unmöglich, sich zu treffen. Pflege, eigene Krankheit, Unfälle und zunehmendes Alter fordern ihren Tribut. Eine große Freude für uns war deshalb die Möglichkeit, in Berlin kurzzeitig unsere zwei dort lebenden Senioren und auch Ulrike Rückl wiederzusehen. Gerade darin wurde mir noch einmal bewusst, wie kostbar die Gemeinschaft geworden ist, die aus unserer Reise von 2008 entstanden ist.
Mein berufliches Ziel konnte ich mit ThiF aus gesundheitlichen Gründen leider nicht erreichen. Doch mein Weg mit Theologie im Fernkurs hat deshalb sein Ziel keineswegs verfehlt. Im Gegenteil: Für meinen persönlichen Glaubensweg habe ich viel geschenkt bekommen. Dazu gehören die Teilnahme an Seminaren zur Exegese in Osnabrück und zur Ökumene im Johann-Adam-Möhler-Institut in Paderborn, aber auch meine intensive Beschäftigung mit der Ökumenik und der Gnadentheologie für meine späte mündliche Prüfung 2013. Theologie im Fernkurs eröffnete mir parallel und nach dem Grundkurs weitere Wege: die Weiterbildung zur Begleiterin von Exerzitien im Alltag und zur Leiterin von Wort-Gottes-Feiern sowie mein MAS-Masterstudium in Spiritueller Theologie in der Schweiz. Die Verbindung von theologischem Wissen und gelebtem Glauben, von Kopf, Herz und Hand, wurde für mich immer mehr zu einer Einheit. Somit wurde mir auch die Theologie zur Hilfe für mein Leben. Durch erworbenes Wissen und Geschenke im Gebet durfte sich mein Glaube immer mehr vertiefen. Er half mir, das Loslassen von Beruf und Ehrenamt anzunehmen, ebenso die vielen Jahre der Pflege meiner Eltern und Schiegereltern. Er hilft mir auch, mit meinem Handicap zufrieden zu leben. Heute bin ich dankbare und glückliche Omi unserer Enkelkinder.
Wenn ich heute darauf schaue, was mir Theologie im Fernkurs gegeben hat, denke ich nicht zuerst an Prüfungen oder erworbenes Wissen. Ich denke an Menschen, an Freundschaften, an Fragen, die weiterführen, an Gebet und Gemeinschaft. Aus dem ursprünglichen Wunsch nach beruflicher Weiterqualifikation wurde ein Glaubens- und Lebensweg, dessen Bedeutung weit darüber hinausreicht. Theologisches Lernen, geistliche Vertiefung und die Begegnung mit anderen Menschen haben mir geholfen, Veränderungen und Grenzen in meinem Leben anzunehmen und meinen Glauben weiterzuentwickeln. Dass eine Studienreise von 2008 noch 18 Jahre später zu einem gemeinsamen Treffen in Berlin führt, erzählt für mich zugleich etwas über Theologie im Fernkurs: Das Studium geschieht auf Distanz – und doch können daraus Nähe, Gemeinschaft und Freundschaften entstehen, die lange tragen. Was damals mit Lehrbriefen am heimischen Schreibtisch begann, führte mich nach Israel und Rom, zu Seminaren und Weiterbildungen, durch viele persönliche Lebensphasen und schließlich mit Freundinnen und Freunden nach Berlin.
Mein Weg mit Theologie im Fernkurs ist für mich deshalb vor allem eines geworden: ein Glaubensweg mitten im Leben.
Jetzt darf ich mich auf unser nächstes Treffen 2027 freuen."

Cornelia Schächtele war Fernstudentin bei Theologie im Fernkurs von 2008 - 2013.