Zur Tourismuspastoral gehören unbedingt „Offene Kirchen“, denn Kirchenräume verschaffen Transzendenz. Gottesbegegnung ist zwar überall möglich, doch wurden Kirchengebäude eigens für die Begegnung des Menschen mit Gott und die Begegnung Gottes mit dem Menschen geschaffen. Bei geschlossenen Kirchen enthalten wir dem Menschen Gott vor und letztlich auch Gott den Menschen. Menschen nehmen den sakralen Raum anders wahr als einen Museumsraum, auch wenn sie sagen, sie glauben nicht an Gott. Kirchen ziehen Menschen an, besonders auch im Urlaub. Ein Atheist erzählte mir, er ginge gerne in Kirchen, weil er anhand des Baustils, der Innenarchitektur und der Atmosphäre auf die Menschen schließen könne, die die Kirche damals gebaut hätten und die sie heute noch betreiben. Kirche wird zwar als geschichtliches Baudenkmal betrachtet, das aber heute noch seine Wirkung ausstrahlt. „Einfach nur Dasein zu dürfen, ohne dass von mir dafür etwas verlangt wird.“, sagte einmal eine Dame zu mir. Das ist gespürte Gnade Gottes in meinen Augen. Der angebotene Kaffee und ein entstehendes Gespräch runden das „gute Gefühl“ des Kirchenbesuchers ab. Kirche vermittelt: Hier bin ich angenommen, hier darf ich sein. Unerheblich welche Meinung ich vertrete, wie ich mich fühle, ob ich glaube oder nicht. Hier bin ich willkommen.
Einen Augenblick Ruhe genießen, sich hinsetzen, die Lichter in der Kirche meditieren, sich umschauen, eine Kerze anzünden und einem geliebten Menschen oder sogar sich selbst etwas Gutes wünschen. Hoffnung, Glaube und Liebe werden für mich spürbar, wenn ich abends auf den Ständer mit den brennenden Kerzen schaue und am Sonntag die von den Leuten geschriebenen Fürbitten höre. Gott wirkt in dem Menschen, mit dem Menschen und durch den Menschen.
Gemeinschaft erleben, miteinander unterwegs sein, obwohl sich die Leute fremd sind. Wie schnell bricht das Eis, wenn Leute sich gemeinsam auf den Weg machen, sich einander vorstellen und unterwegs Gespräche führen: Egal ob wir Tagespilgertouren gestalten, auf dem Birgittenweg durch die Stadt Stralsund gehen, durch die Natur radeln oder Inseltouren mit dem Bulli unternehmen. Beim Abschluss mit gemeinsamen Essen und Trinken entstehen oft einige tiefgründige Gespräche. „Warum glaubst Du nicht an Gott?“ Nach der Antwort kommt die Gegenfrage: „Und Du, wieso glaubst Du? Hast Du ihn schon erfahren?“ Auch der Austausch über die Entstehung der größeren pastoralen Strukturen ist interessant. „Ihr habt ja die gleichen Probleme wie wir. Wie löst ihr die Situation?“ Einander den Glauben bekennen, seine Haltung zum Ausdruck bringen, in den Dialog kommen, ist für mich wichtig. Dies gilt auch dann, wenn der „Nicht-Glaube“ bekannt wird, die Person aber trotzdem mit uns geht und spricht. Dann bewahrheitet sich der Satz Jesu aus dem Matthäusevangelium: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ (Mt 9, 40)